Historie >> Rauschende Siegesfeier in Macau

Premiere in Übersee

1 scan stw letzte seite kleinWenn Phoenix Racing im Februar nach Australien reist, um mit zwei Audi R8 LMS an den berühmten 12 Stunden von Bathurst teilzunehmen, dann ist es nicht der erste Einsatz des Teams in Übersee. Es war 1999, das Premieren-Jahr der Mannschaft von Ernst Moser, als das Team nach Saisonende im Super-Tourenwagen-Cup (STW) zur ersten großen Reise aufbrach. Das Ziel: Macau.

In Australien hatte der neue Rennstall damals seine beiden ehemaligen Werks-Audi A4 quattro (Chassis ST26 und ST30) gekauft. „Unbesehen“, wie sich Teammanager Dirk Theimann erinnert. Als die STW-Saison mit den Fahrern Michael Bartels und Arnd Meier zu Ende ging, stellte Teamchef Moser fest, dass der A4 gut ins Reglement beim ebenso berühmten wie berüchtigten Grand Prix von Macau passte. Und als Bartels mit „TV Spielfilm“ noch einen starken Partner begeistern konnte, war der Übersee-Trip beschlossene Sache. Per Seefracht wurden die beiden Autos Richtung Asien geschickt, wobei der Innenraum jeweils bis unters Dach mit Ersatzteilen, Werkzeugen und sonstigem Equipment vollgestopft war.

 

Macau, 1999 noch eine portugiesischen Kolonie, ist wegen seines 6,115 Kilometer langen Stadtkurses gefürchtet. Bergauf und bergab durch die Stadt, teilweise super eng mit hohen Mauern rechts und links, eine Haarnadel, in der man notfalls auch einen Rückwärtsgang braucht – Macau ist ein Höllenritt mit hohem Risiko-Faktor. Neben einem prächtig aufgelegten Michael Bartels fuhr Max Angelelli den zweiten Phoenix-A4. Der Italiener galt als Macau-Experte und war für Ernst Moser wegen seiner Zakspeed-Zeit ein „alter Bekannter“.neu phoenix-macacu-1999-jb-005

Dieses Fahrerduo zahlte sich aus, Bartels und Angelelli stellten die beiden grünen Phoenix-Audi auf die Startplätze eins und zwei, wobei Bartels (2.29,064 Minuten) seinem Teamkollegen (2.30,270) mal eben 1,2 Sekunden einschenkte. Zum Jubeln blieb dem Team aus der Eifel allerdings kaum Zeit, denn während die beiden Routiniers die Autos im Kurvenlabyrinth unbeschädigt ließen, gab es ein technisches Problem: Am Angelelli-A4 streikte die Elektrik. Für das Qualifying konnte das Problem notdürftig behoben werden, aber für das Rennen musste ein neuer Kabelbaum her. Aber wie? Dirk Theimann war in seinem Element und organisierte. Er trieb in Ingolstadt einen passenden Kabelbaum auf, ließ ihn nach Hongkong fliegen, wo ihn Hartmut Ganter entgegen nahm. Der lebte in Hongkong und Theimann kannte ihn aus Zeiten mit Zakspeed-F1-Sponsor West. Theimann selbst flog mit dem Heli-Shuttle von Macau nach Hongkong und zurück … und die Phoenix-Jungs hatten reichlich Arbeit, anstatt den rennfreien Samstag anderweitig zu verbringen. 

Der Einsatz lohnte sich, denn Bartels zirkelte den Phoenix-A4 mit der Startnummer 53 im ersten Rennen schnell und sicher zum Sieg, und auch Angelelli eroberte mit Rang drei einen Podestplatz. Clever teilte sich Bartels das zweite Rennen ein, riskierte nichts und eroberte, während Angelelli wegen einer defekten Antriebswelle ausschied, mit Rang zwei den viel beachteten Gesamtsieg. „Das war der erste Sieg für Phoenix, der Jubel war riesig – ein gigantisches Gefühl“, strahlt Ernst Moser noch heute.

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Für Teammanager Dirk Theimann gab es nach dem Sieg einmal mehr eine Sonderaufgabe: das Auftreiben des Preisgeldes. Die Organisatoren wollten das im Kleingedruckten ausgeschriebene Preisgeld zunächst nicht rausrücken, aber Theimann blieb hartnäckig. Schließ bekam er das Preisgeld, allerdings in Macau-Dollar, die nicht getauscht und ausgeführt werden durften.

6 moser-003 kleinDie Phoenix-Jungs, ohnehin immer für eine Party zu haben, feierten – mit beiden Fahrern – den Sieg überschwänglich. Es gab kein Halten mehr, denn das Preisgeld war beträchtlich und musste unters Volk gebracht werden. Diese Feier war die „Geburtsstunde“ einer Tradition, die bis heute besteht: die „Zigarre danach“, die Ernst Moser seitdem genüsslich nach jedem Sieg raucht. Im Hotel „Mandarin Oriental“ gab es einen „begehbaren Humidor“, der Ernst Moser damals so beeindruckte, dass er zur Zigarre griff, obwohl er sich das Rauchen eigentlich Jahre zuvor erfolgreich abgewöhnt hatte. „So saß ich in einer Ecke der Bar, genoss die Zigarre und schoss immer wieder Macau-Dollar nach, wenn meine Jungs den großen Siegerpokal immer und immer wieder mit Champagner füllten“, erinnert sich Ernst Moser. „Das war eine heftige Party, aber es war einfach nur schön.“ Ebenso ausgelassen feierte Jenson Button samt Vater mit der Phoenix-Truppe in der Hotel-Bar – der spätere Formel-1-Weltmeister hatte beim Formel-3-GP den zweiten Platz belegt, für ihn allemal Grund genug für eine große Sause. Einer der Phoenix-Mechaniker, Martin „Alesi“ Rose, wollte den Pott gar nicht mehr hergeben. Moser: „Alesi hat den schweren Pott durch ganz Macau getragen und dann quasi bis nach Hause in der Eifel nicht mehr aus der Hand gegeben.“